Einsatz von Exoskeletten

Einsatz von Exoskeletten in der Industrie: Chancen und Risiken für die Arbeitssicherheit

In der Industrie gewinnen Exoskelette zunehmend an Bedeutung. Als tragbare Unterstützungssysteme sollen sie körperlich belastende Tätigkeiten erleichtern, Muskel-Skelett-Erkrankungen reduzieren und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten erhöhen. Doch wo Chancen sind, bestehen auch Risiken: Falsche Anwendung, unzureichende Schulung oder ergonomische Fehlanpassungen können die Arbeitssicherheit sogar verschlechtern. In diesem Beitrag beleuchten wir, was Exoskelette leisten können, wo ihre Grenzen liegen und was Unternehmen bei der Einführung beachten sollten.

Was sind Exoskelette?

Exoskelette sind tragbare mechanische Strukturen, die bestimmte Körperregionen stützen oder Bewegungen unterstützen. Sie werden am Körper getragen und wirken wie eine äußere Stützstruktur. Grundsätzlich unterscheidet man:

  • Passive Exoskelette: Arbeiten ohne Energiezufuhr und unterstützen durch Federmechanismen oder mechanische Umlenkung (z. B. Entlastung von Schultern oder Rücken).
  • Aktive Exoskelette: Nutzen Motoren, Sensoren und ggf. Steuerungen, um Bewegungen aktiv zu unterstützen (z. B. beim Heben oder Halten von Lasten).

Einsatzbereiche finden sich insbesondere bei:

  • repetitiven Tätigkeiten (z. B. Montagearbeiten),
  • Überkopfarbeiten,
  • schwerem Heben und Tragen,
  • langem Stehen oder ergonomisch ungünstigen Körperhaltungen,
  • in der Automobilindustrie, Logistik, Industrieproduktion oder im Baugewerbe.

Chancen für die Arbeitssicherheit

Richtig ausgewählt und eingesetzt, können Exoskelette einen wertvollen Beitrag zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen leisten. Zu den wichtigsten Chancen zählen:

  1. Entlastung des Bewegungsapparats:
    Durch gezielte Unterstützung einzelner Körperbereiche (z. B. Schulter, Rücken, Knie) können Belastungsspitzen reduziert und ergonomisch ungünstige Haltungen abgefedert werden.
  2. Prävention statt Rehabilitation:
    Der präventive Einsatz von Exoskeletten kann helfen, arbeitsbedingte Erkrankungen zu vermeiden und krankheitsbedingte Ausfallzeiten zu verringern.
  3. Leistungsfähigkeit bei körperlich fordernden Tätigkeiten:
    Mitarbeitende können belastende Tätigkeiten länger oder mit weniger Ermüdung ausführen – das kann auch die Produktivität positiv beeinflussen.
  4. Arbeitsplatzsicherung für ältere oder eingeschränkte Mitarbeitende:
    Exoskelette können dazu beitragen, erfahrene Mitarbeitende länger im Berufsleben zu halten, indem sie körperliche Einschränkungen teilweise kompensieren.

Risiken und Herausforderungen beim Einsatz von Exoskeletten

Der Einsatz von Exoskeletten ist kein Selbstläufer. Werden sie unreflektiert eingeführt, können neue Gefährdungen entstehen oder bestehende Belastungen verschoben werden.

  1. Falscher oder ungeeigneter Einsatz:
    Ohne gründliche Arbeitsplatzanalyse und ergonomische Anpassung kann ein Exoskelett Belastungen lediglich verlagern oder sogar erhöhen – beispielsweise, wenn ein Schwerpunkt ungünstig verlagert wird.
  2. Akzeptanzprobleme und Fehlanwendung:
    Wenn Mitarbeitende das System als „auferlegte Technik“ wahrnehmen, statt als Unterstützung, drohen Ablehnung und unsachgemäßer Gebrauch. Eine gute Kommunikation, Beteiligung und Schulung sind entscheidend.
  3. Hygiene und Tragekomfort:
    Schweiß, Hitze, Druckstellen oder eingeschränkte Bewegungsfreiheit können den Tragekomfort massiv beeinträchtigen. Gerade bei Wechseln zwischen mehreren Personen sind Hygiene- und Reinigungsfragen zu klären.
  4. Neue Gefährdungen:
    Durch eingeschränkte Beweglichkeit, zusätzliches Gewicht oder Gurte können Stolper-, Sturz- oder Quetschgefahren entstehen. Auch Fehlfunktionen bei aktiven Exoskeletten müssen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.

Was Unternehmen beim Einsatz von Exoskeletten beachten sollten

Exoskelette sind ein Baustein im , aber kein Ersatz für gute Ergonomie, technische Verbesserungen oder organisatorische Maßnahmen. Unternehmen sollten strukturiert vorgehen:

1. Arbeitsplatzanalyse & Auswahl geeigneter Tätigkeiten

  • Belastungsanalysen durchführen (z. B. Heben, Halten, Überkopfarbeiten) und prüfen, wo Exoskelette wirklich einen Mehrwert bieten.
  • Grenzen der Systeme berücksichtigen – nicht jede Tätigkeit eignet sich für Exoskelette.

2. Produktauswahl und Erprobung

  • Verschiedene Modelle im Rahmen von Pilotprojekten testen.
  • Anpassbarkeit (Größe, Einstellung), Gewicht, Bewegungsfreiheit und Kompatibilität mit vorhandener PSA prüfen.

3. Integration in die Gefährdungsbeurteilung

  • Exoskelette als Arbeitsmittel in die Gefährdungsbeurteilung aufnehmen.
  • Neue Gefährdungen (z. B. Stolpern, Notfälle, Evakuierung) betrachten und Gegenmaßnahmen festlegen.

4. Schulungen, Unterweisungen und Beteiligung

  • Mitarbeitende frühzeitig einbinden, Rückmeldungen ernst nehmen und in die Bewertung einfließen lassen.
  • Verbindliche Unterweisung zu richtiger Handhabung, Einstellung, An- und Ablegen sowie zu Grenzen des Systems durchführen.

5. Evaluation und kontinuierliche Verbesserung

  • Einsatz regelmäßig evaluieren: Beschwerden, Rückmeldungen, Unfallgeschehen, Produktivität.
  • Anpassungen vornehmen oder Systeme auch wieder aus dem Einsatz nehmen, wenn sie keinen Nutzen stiften oder neue Risiken erzeugen.

Fazit: Exoskelette sind kein Allheilmittel – aber eine Chance

Der Einsatz von Exoskeletten in der Industrie kann einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung körperlicher Belastungen leisten – vorausgesetzt, sie werden gezielt, ergonomisch sinnvoll und im Rahmen eines durchdachten Arbeitsschutzkonzeptes eingesetzt. Exoskelette sind kein Allheilmittel für schlechte Arbeitsbedingungen, sondern eine Ergänzung zu technischen, organisatorischen und ergonomischen Maßnahmen.

Unternehmen, die die Einführung professionell vorbereiten, Mitarbeitende aktiv einbinden und den Einsatz regelmäßig überprüfen, können aus moderner Technik einen echten Mehrwert für Gesundheit, Produktivität und Zukunftsfähigkeit machen.

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Markus Strompen

Markus Strompen
Fachkraft für Arbeitssicherheit
safeXcon GmbH
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